„Sie gibt ihrem Kind ganz viel Liebe“
Pflegekinderdienst des Landkreises Gießen sucht Pflegepersonen. Pflegeeltern benötigen viel Toleranz gegenüber der Herkunftsfamilie
Giessen (13. Dezember 2010) - Wenn Sophie* von ihrer Bauchmama spricht, dann ist damit nicht Eva P.* gemeint, bei der Sophie seit ihrem zweiten Lebensjahr lebt: Die fröhliche Neunjährige ist ein Pflegekind, das wegen der Drogenprobleme ihrer Eltern von Familie P. als Vollzeit-Pflegekind aufgenommen wurde. Hier hat Sophie eine zweite Mama gefunden, die sie auch ganz selbstverständlich so nennt.
Und es ist der Kooperationsbereitschaft ihrer Pflegemutter zu verdanken, dass das Mädchen wieder einen guten Kontakt zu ihrer leiblichen Mutter hat und sich auf die Besuche bei ihrer „Bauchmama“ freut. „Wir wollten gerne Kinder im Haus haben“, beschreibt die 48jährigen Eva P. ihre Motivation, wieso sie vor knapp acht Jahren gemeinsam mit ihrem Mann ihr erstes Pflegekind aufnahm.Diese Entscheidung hat bis heute ihr Leben bereichert, denn die beiden Kinder, die nun bei ihr und ihrem Mann leben, sind wie ihre eigenen, nennen sie „Mama“ und „Papa“. Dennoch ist sich Frau P. klar, dass ihre Aufgaben als Pflegemutter weit reichender sind. Denn Pflegekindern kommen nicht unbelastet in ihre neuen Familien. Sie haben eigene Herkunftsfamilien und häufig schon Schlimmes erlebt: Belastungen, die die neue Familie zu spüren bekommt und aushalten können muss.
Trotzdem möchte das Jugendamt dem Kind die Verbindung zur Familie möglichst erhalten. „Die Beziehung zu den leiblichen Eltern wird von uns sehr gefördert, und wir erwarten auch von den Pflegeeltern, dass sie ihren Pflegekindern diesen Kontakt ermöglichen“, betont Britta Wendischhoff, die im Landkreis für die Schulung von Pflegepersonen zuständig ist. „Denn das Pflegekind hat ein Recht darauf, seine leiblichen Eltern zu sehen.“
Kontakt zu den leiblichen Eltern erwünscht
Mit ihren beiden Pflegekindern hat Eva P. in dieser Hinsicht ganz unterschiedliche Erfahrungen gemacht. Während die leibliche Mutter von Sophie froh über die neue Familie ihrer Tochter ist und die regelmäßigen Besuche ihrer Tochter liebevoll vorbereitet, herrscht im Kontakt mit der Mutter von Niklas*, Sophies kleinem Bruder, zurzeit Funkstille.
„Mehrmals hat sie die verabredeten Kontakte mit ihrem Sohn kurzfristig abgesagt, dann plötzlich über das Gericht die Rückführung des Jungen beantragt und diesen Antrag später wieder zurückgezogen“, erzählt Eva P. sachlich, und sehr um Zurückhaltung bemüht. Denn auch wenn Niklas bei diesem ganzen Hin und Her nur von den abgesagten Besuchen weiß, so bekommen die Kinder doch mehr mit, als man denkt, weiß die erfahrene Pflegemutter.
„Erschwerend kommt hinzu, dass Niklas’ Mutter bei Kontakten noch nie Muttergefühle gezeigt hat, ihn weder in den Arm genommen noch geknuddelt hat“, bedauert sie. Sie und ihr Mann versuchen, Niklas in dieser Situation so viel Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln, wie ihnen möglich ist.
„Der Kontakt zu Sophies leiblicher Mutter ist sehr herzlich“, freut sich Eva P. dagegen über das gute Verhältnis zu der jungen Frau, „sie gibt ihrem Kind ganz viel Liebe“. Es gibt regelmäßige Besuche, Sophie telefoniert mit ihrer Mutter und sie erhält von ihr Postkarten. „Sie schreibt immer auch ein paar Zeilen an Sophies neuen Bruder Niklas dazu“, lächelt Eva P. dankbar. Auch Sophies leibliche Mutter ist froh über Sophies Pflegefamilie, denn sie ermöglicht ihrer Tochter ein Leben in der Geborgenheit einer intakten Familie, das sie ihr nicht geben kann.
Pflegekinder sind Kinder auf Zeit
Rein rechtlich gesehen sind Pflegekinder jedoch Kinder auf Zeit. Denn wenn es den leiblichen Eltern gelingt, ihre Lebenssituation zu stabilisieren, sollen die Kinder möglichst wieder in ihre Herkunftsfamilien zurückkehren können, betont das Jugendamt. Dieses Wissen kostet die Pflegeeltern immer wieder viel Kraft, bekennt Frau P., die festgestellt hat, dass diese Kinder gerade Kontinuität und Sicherheit brauchen. „Aber wenn ich weiß, dass es dem Kind bei seiner leiblichen Mutter wieder gut geht, dann ist das für mich in Ordnung“, erklärt sie.
Problematisch findet sie diese Ungewissheit für die Kinder und erzählt, wie sie und ihr Mann nach Sophie einen wenige Monate alten Säugling in Pflege nahmen, den das Mädchen herzlich in Empfang nahm. „Doch nach vier Monaten kam er wieder zu seiner Herkunftsfamilie, was nicht vorauszusehen war“, beschreibt Eva P. nüchtern eine Trennung, die dem Ehepaar sehr schwer fiel.
„Davon abgesehen, wie es uns ging – bei Sophie ist da ganz viel im Kopf vorgegangen und sie hat uns gefragt: muss ich jetzt auch weg?“, beschreibt sie diese schwierige Zeit. „Versprechen, dass sie immer bei uns bleiben darf, können wir unserer Pflegetochter nicht“, bedauert Eva P. und fügt hinzu: „Ich kann ihr nur immer wieder sagen, dass wir sie und ihren Bruder sehr lieb haben, und immer für sie da sein werden.“
Im Landkreis Gießen gibt es knapp 100 Familien, in denen Pflegekinder leben. Hier kümmern sich Pflegeeltern um Kinder, deren leibliche Eltern dies aus verschiedenen Gründen nicht mehr können. „Sie leisten einen ganz wichtigen Beitrag“, ist der Erste Kreisbeigeordnete und Sozialdezernent Dirk Oßwald (FW) dankbar über das Engagement der Pflegefamilien. „Und wir benötigen noch mehr Pflegestellen“, weiß er, denn für jedes Kind suchen die Mitarbeiterinnen des Pflegekinderdienstes eine möglichst passgenaue Pflegefamilie – was bei einer größeren Auswahl natürlich leichter fällt.
Dass die Aufnahme von Pflegekindern eine sehr anspruchsvolle Aufgabe ist, darüber sind sich die Verantwortlichen klar. Mit einem Vorbereitungsseminar möchten sie Interessenten darauf vorbereiten und stehen der Pflegefamilie immer beratend zur Seite.
Wer sich näher informieren möchte, wendet sich an den Fachdienst Jugend des Landkreises Gießen. Kontakt: Britta Wendischhoff, Riversplatz 1-9, Haus G, Zimmer G131, Tel.: 0641/9390-9211, britta.wendischhoff@lkgi.de.
* Namen geändert



Hessischer Städtetag setzt auf realistische Pfade zum Schuldenabbau.
„Es ist eine richtige und gute Maßnahme der Landesregierung, hoch verschuldeten hessischen Kommunen mit über drei Milliarden Euro bei ihrer Entschuldung zu helfen.“ Dies sagt Wolfram Dette, Oberbürgermeister der Stadt Wetzlar und ausgewiesener Finanzfachmann in den Reihen des Hessischen Städtetages. „Der Entschuldungsfonds des Landes wird aber nur [...]
Unser politische Kommentar
Am Veilchen-Dienstag bauten die Christ-Demokraten zum traditionellen Fasnachtszug einen Stand in der Gießener Strasse auf. Dort betrieben sie ganz ungeniert Bandenwerbung. Keine andere Partei stellte ihre Macht derart im Strassen-Karneval zur Schau.
Ist es nicht sonst der Aschermittwoch, wo die Parteien übereinander herfallen? Und wo sie kein gutes Haar an den anderen demokratischen Kräften [...]
Wie bereits in der Presse berichtet, werden im ersten Halbjahr mit einzelnen Kommunen mehrere Pilotprojekte zur Online-Bürgerbeteiligung im Landkreis Gießen stattfinden. Auch die Stadt Hungen nimmt mit dem „Arbeitskreis Leitbild“ des Stadtmarketing Hungen e.V. an einem dieser Projekte teil.
Kürzlich hat sich die Firma eOpinio GmbH, ein junges innovative Meinungsforschungs-Unternehmen aus Gießen mit Spezialisierung auf dem [...]
Heuchelheimer Grüne schauen auf ein erfolgreiches Jahr zurück.
Auf seiner diesjährigen Mitgliederversammlung hat der Heuchelheimer Ortsverband Bündnis 90 / Die Grünen das ereignisreiche Jahr analysiert und die kommunal-politischen Schwerpunkte für 2012 andiskutiert.
Dabei stand für den mit Sabine Müller-Kübler, Hanni Bepler-Klein, Kuno Konopka und Stephan Henrich besetzten Vorstand eindeutig die Kommunalwahl im Vordergrund. Der deutliche Zugewinn bei [...]
Land Hessen will Mädchenarbeit ausbauen.
Wiesbaden (23. Januar 2012) - Die Landesregierung will die Mädchenarbeit weiter ausbauen. 2012 wird es zum ersten Mal einen Internationalen Mädchentag geben. „Die Weichen für Gleichberechtigung in Familie, Beruf und Gesellschaft muss man so früh wie möglich stellen. Die Mädchen von heute sind die Frauen von morgen. Eine engagierte Mädchenarbeit kann [...]
Meditation Trance Buddhismus Sufis
Wer kennt das nicht, dass ein längerer Spaziergang den Kopf frei macht und Gedanken und Geist äußerst produktiv werden. Goethe hat es so gemacht
. und jeder andere Mensch könnte es auch. Meist fehlt die Muße, der Raum in unserer hektischen Welt, um das umzusetzen. Mit der nötigen, leicht erlernbaren Technik, ist [...]
Freiwilliges Engagement von Jugendlichen
Ob und wofür sich Jugendliche freiwillig engagieren, hängt stark von Bildung, Herkunft und Geschlecht ab. Zu diesem Ergebnis kommt eine Sonderauswertung des Dritten Freiwilligensurveys des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend. Jugendforscherin Sibylle Picot, die speziell das Engagement Jugendlicher untersuchte, stellt dabei u. a. fest, dass sich Jugendliche mit höherer Bildung [...]






Prof. Dr. Wolfgang George: 30 Mrd € Investition durch Energie-Genossenschaften möglich