Berührungsängste vor Altenheimen abbauen
Marburg 54 der AWo führt Pflege- und Heim-Bewohner zusammen

Altenpflegeschülerin Sandra Pospisil massiert die Hände von Heim-Bewohnerin
Die Ostpreußin Maria Wrembel, geboren in Wormdit und 85 Jahre jung, kam über Bochum nach Marburg. Und wohnt jetzt im St. Elisabeth Heim. „Es ist eigentlich alles wie immer, ich habe jetzt nur einen anderen Wohnsitz“, sagt die lebenslustige Dame und geniest sichtlich die Handmassage durch eine Schülerin. Der Altenpflegekurs setzt sich mit vielen Ideen dafür ein, dass die Schwellenangst in der Bevölkerung sinkt, in ein Altenheim zu kommen…. in eine Art von Abschiebebahnhof, so ein oft gehörtes Vorurteil. Einen Ort, wo man abgekapselt von der Welt darauf wartet, dass einem „das letzte Glöcklein läutet“. Der 54. Altenpflegkurs der AWO Marburg, eben: M54, möchte die Bürgerinnen und Bürger sanft davon überzeugen, daß man nur den Wohnort wechselt, sonst bleibt alles im gewohnten und geliebten Tagesablauf.

Kundin des Ambulanten Pflegedienstes (re.) bringt „Goldenen Herbst“ in ihren Häuslichen Blumentopf
Sie baten daher neulich Menschen, die nur noch durch die häusliche Krankenpflege Außenkontakt haben, zu zwei gemeinsamen Treffen mit Bewohnern desstädtischen St. Elisabeth Altenheimes. Erst gingen Heim-Bewohner gemeinsam mit den Kunden des Ambulanten Pflegeteams Conny-Ridder für einen Tag zum Kennenlernen, neudeutsch: warming up oder socialising, in den Botanischen Garten und jetzt, eine Woche ist ins Land gegangen, zu einem Wellness-Nachmittag ins Heim.

Erfolgreich für ältere Menschen: Roby Amanuel (re. kieend, weiter im Uhrzeiger) Ewa Akello, Sandra Pospisil, Ines Brendel, Jana Brand, Heimleiterin St. Elisabeth Monika Ostler, Geschäftsführer Conny-Ridder Amb. Pflege Wolfgang Schwalbe, Stellv. Schulleiterin AWO Altenpflege Frau Hesse, Kursleiterin AWO Angelika Hansert. Ganz hinten: Silke Mohn
Auf dem Aktionsplan standen bspw. Kopf- und Handmassage, „5-Sinne anregen“, Waffeln backen bei warmen Kakao, den „Herbst“ in die Blumentöpfe bringen, Bilder des gemeinsamen Ausflugs ansehen und gemeinsames Singen. Lautes Prusten hier, unterdrücktes Glucksen dort, wenn man sich auf den Bildern erkannte. „Mathilde, wie siehst Du denn aus“, feixt ein „Gast“ über seine neue Bekanntschaft, einer Heim-Bewohnerin. Eine offene, entspannte Atmosphäre allerorten, und sogar die Sonne lachte durchs Fenster. Ideale Bedingungen für einen gelungenen Tag gemeinsam. Die Gäste, die ja ambulant gepflegt werden, hatten nach den zwei gemeinsamen Zeiten deutlichsichtbar keinerlei Ängste, Vorurteile vor Altenheimen mehr, wenn sie jemals so etwas überhaupt gehabt hatten.
Heime der Zukunft sind immer mehr quartiersorientiert, die Bewohner kommen alle aus den angrenzenden Stadtvierteln. Und all ihre bisherigen sozialen Kontakte und Gewohnheiten, von Freunden bis Einkauf beim Lieblingsbäcker, werden natürlich vom Heim unterstützt, unterstreicht Leiterin Monika Ostler. „Für uns ist das Leben wichtig!“ „Irgendwie steckt im Heim der Zukunft auch die Mehr-Generationen-Idee“, ergänzt AWO-Klassensprecherin Roby Amanuel lächelnd. „Wir jungen Altenpflegerinnen helfen den älteren Menschen und sie, sie bringen uns auch sehr viel bei: Toleranz und ein riesiges Erfahrungswissen.“
Nebenbei soll das vorherrschend Denken -hier ambulant, dort stationär –durch die Aktion ein bisschen weiter aufgeweicht. Da sind die Kooperationspartner AWO Altenpflegeschule, Heim und Ambulante Pflege sich einig.
Information: AWo Altenpflegeschule Marburg, marburg@aps-awo-nordhessen.de
Fotos: vrs (außer: Gruppenfoto M54)

Kurs M54 der AWO Altenpflegeschule 2011
Hintergrund:
M54: ist ein Teilzeit-Kurs aus Alleinerziehenden Müttern und Personen, die eigene Familienangehörige pflegen. Die 30 Teilnehmerinnen sind Mitte 20 bis Mitte 40.
Förderung: Als freiwillige Leistung der Universitätsstadt Marburg wird der Altenpflegeschule der AWo Marburg seit einiger Zeit ein Betrag von 2.000 € im Jahr zur Verfügung gestellt, um Aktionen in den städtischen Pflegeheimen durchführen zu können. Die Ausgestaltung dieser Aktionen wird der AWO überlassen, die jeweiligen Ausbildungskurse führen die Projekte in bzw. mit den Einrichtungen durch. Die zweckgerichtete Ausgabe der Mittel wird anhand von Quittungen/Rechnungen vom Fachdienst Soziale Leistungen, Abteilung „Altenhilfe”, überprüft.



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Ich halte den Ansatz des hier gezeigten Altenpflegeaustauschs und des Abbaus von Grenzen als zielführend und sehr begrüssenswert. Persönlich sehe ich aber eine stärkere Integration von Jugendlichen und Kindern in diesem Bereich (wie früher in den Großfamilien) als weiteren sinnvollen und notwendigen Schritt.