Aktive Wohnungspolitik im Landkreis Gießen

Gründung der Sozialer Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen GmbH

Landkreis Gießen (7. Juli 2017) – Steigende Mieten und Verdrängungsprozesse in den Städten, Abwanderungen in die Städte, weniger Bevölkerungswachstum in den ländlichen Regionen und teilweise Leerstand, das sind Schlagworte, mit denen die Wohnungssituation in Deutschland derzeit beschrieben wird. Teilweise gilt dies auch für den Landkreis Gießen. Doch hier zeigt eine Analyse zur Wohnraumversorgung durch den Landkreis Gießen weiterhin Bevölkerungswachstum – auch ohne die Stadt Gießen –, aber er wird „älter“, wie auch andere Landkreise in Deutschland.

Landkreis Giessen

Anita Schneider: Wir brauchen eine breite Diskussion dazu und die Einbindung vieler Akteure, damit ein Netzwerk zum Thema ,Wohnen in der Zukunft‘ entstehen kann (Foto: Landkreis Gießen)

Laut Analyse fehlen auch Wohnungen, insbesondere kleinere barrierefreie und bezahlbare. Zudem verfügt der Landkreis über einen Wohnungsbestand, der überwiegend zwischen 1949 und 1990 gebaut worden ist. Daraus ergeben sich auch Fragen: Wie können gerade ältere Gebäude den neuen zukünftigen Anforderungen an Wohnen gerecht werden, dadurch auch Leerstand vermieden oder entgegengewirkt werden und wie kann der Bedarf an bezahlbaren Wohnraum gedeckt werden?

Um auf diese Anforderungen gezielt Einfluss nehmen zu können, hat der Landkreis Gießen zusammen mit neun Städten und Gemeinden die Soziale Wohnungsbau und Strukturförderung im Landkreis Gießen GmbH (SWS GmbH) gegründet. Hierzu gehören Buseck, Fernwald, Grünberg, Heuchelheim, Langgöns, Lich, Linden, Rabenau und Wettenberg. „Die Gesellschaft hat die Aufgabe, selbst bestimmtes, solidarisches, generationsübergreifendes und auch für das Älterwerden geeignetes Wohnen zu fördern und zu realisieren“, zitiert Landrätin Anita Schneider aus der Präambel des GmbH-Vertrags.

Sowohl eine älter werdende Gesellschaft, als auch die Zunahme von Single-Haushalten hätten dazu geführt, dass es zu wenige kleinere, barrierearme, aber auch preisgünstige Wohnungen im Landkreis Gießen gebe. „Mit der Gesellschaft können wir jetzt zusammen mit den Mitgliedskommunen passende Maßnahmen entwickeln, um bezahlbaren Wohnraum zu fördern und zu sichern“, sagt die Landrätin.

Die Gesellschaft wird jedoch nur in Ausnahmefällen selbst als Bauträger auftreten. Vielmehr ist es die Aufgabe – in Abstimmung auf den regionalen Wohnungsmarkt – geeignete Flächen mit Investoren zu entwickeln und hierfür Förderungsinstrumente bereitzustellen, um auch den bezahlbaren Wohnungsraum zu fördern. Es ist nicht nur unser Bestreben, langfristig ein Kontingent von bezahlbarem Wohnraum in der Region aufzubauen, sondern gleichzeitig übernimmt die Gesellschaft auch die Aufgabe, Strukturförderung für den ländlichen Raum anzustoßen. Verödung von Ortskernen, längerfristigen Leerständen und andere mit dem voranschreitenden demografischen Wandel einhergehenden Entwicklungen soll mit geeigneten, auch interkommunal abgestimmten Maßnahmen und Aktivitäten entgegengewirkt werden.

Errichtet und betrieben werden sollen die entstehenden Wohngebäude vor allem von privaten Dritten. Erste konkrete Projekte liegen der Gesellschaft bereits vor, die nun in die Planungsphase treten. Hierzu hat der Kreistag beschlossen 1,2 Millionen Euro im Nachtragshaushalt 2018 zur Verfügung zu stellen.

Die Kreispolitik beschäftigt sich seit über einem Jahr mit dem Thema. Den Anstoß dazu gab Landrätin Anita Schneider selbst, die hier einen dringenden Handlungsbedarf ausgemacht hatte. Der Kreistag hatte in seiner Sitzung vom 6. März für den Antrag des Kreisausschusses zur Gründung der SWS GmbH gestimmt. Ende April fand die Fachveranstaltung „Sozialer und bezahlbarer Wohnraum in Landkreis Gießen“ mit 150 Gästen statt, unter ihnen auch viele Fachleute.

„Inzwischen liegt auch ein in Auftrag gegebenes Wohnraumversorgungskonzept vor“, erläutert die Landrätin. Hierfür sind die konkreten Wohnbedürfnisse der einzelnen kreisangehörigen Städte und Gemeinden ermittelt worden. Die Ergebnisse zeigten eindeutig: „Der Bedarf an bezahlbaren Wohnraum besteht nicht nur in der Stadt Gießen, sondern auch im Umfeld der Stadt und darüber hinaus.“ Zwischen 14. und 17. August wird das Konzept in den vier Teilräumen des Landkreises öffentlich vorgestellt. „Wir brauchen eine breite Diskussion dazu und die Einbindung vieler Akteure, damit ein Netzwerk zum Thema ,Wohnen in der Zukunft‘ entstehen kann“, sagt sie.

Für die kommunalen Gründungsmitglieder haben unterschrieben: Dirk Haas (Bürgermeister Buseck) und Gerhard Hackel (Beigeordneter Buseck), Stefan Bechthold (BM Fernwald) und Kurt Klingelhöfer (Erster Beigeordneter), Frank Ide (BM Grünberg) und Thomas Kreuder (Erster Stadtrat), Lars Burkhard Steinz (BM Heuchelheim) und Dr. Manfred Ehlers (Erster Beigeordneter), Horst Röhrich (BM Langgöns) und Marius Reusch (Erster Beigeordneter), Bernd Klein (BM Lich) und Barbara Kröger (Erste Stadträtin), Jörg König (BM Linden) und Thomas Altenheimer (Stadtrat), Kurt Hillgärtner (BM Rabenau) und Andreas Hübl (Erster Beigeodneter), Thomas Brunner (BM Wettenberg) und Reinhard Bamberger (Erster Beigeordneter).

  1 comment for “Aktive Wohnungspolitik im Landkreis Gießen

  1. Harry Meier
    7. Juli 2017 at 17:41

    Warum wird der Bürger nicht als Akteur einbezogen … zum Beispiel in einer Genossenschaft. Dann würde bürgerfreundliche Politik ihren Namen verdienen

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.